Samstag, 19. April 2014

Spiegelwelten Das Hexenschloss - Leseprobe -



Spiegelwelten
Das Hexenschloss

Ein Fantasyroman von
Rolf Glöckner



Kapitel 1

Rückblick

Nachdem die Familie immer wieder vor der Presse, im Rundfunk und in weltweitem Fernsehen zu berichten hatte, zogen sie sich in ihr altes herrschaftliches Haus an der Südküste Englands zurück, um Luft zu holen und ein wenig Abstand vom Trubel zu gewinnen. [1] Zwischen den einzelnen Auftritten lagen immer wieder Veranstaltungen, an denen sie teilzunehmen hatten, denn sie waren nun öffentliche Personen. Ihr Privatleben war mehr oder weniger auf der Strecke geblieben. Fast sieben Monate waren vergangen, seit das letzte Kristallmonster besiegt und die Erde vor einer großen Gefahr bewahrt worden war.
Auf der Erde hatte sich in diesen Monaten einiges Bemerkenswerte ereignet. Verschiedene Staaten hatten erkannt, was gemeinsames Handeln bewirken konnte und planten langfristig ihren Zusammenschluss. Es war, als ob der Einsatz der Familie und deren Freunde eine Lawine der Verständigung ausgelöst hatte. Auch war man bereit, den Weltraumvagabunden eine Heimstatt zu gewähren. Viele Länder würden sie gern aufnehmen, hoffte man doch, von ihnen zu lernen. Das ließ Tom, durch das Erlebte inzwischen sehr erwachsen wirkend, die Bemerkung in die Runde zu geben: „Die Menschen werden sich wohl nie ändern, erhoffen sie sich doch nur Vorteile durch die Übernahme von technischem Wissen der Vagabunden.“
Hans, natürlich war Lanudas, der Troll, bei ihm geblieben, nickte ihm bestätigend zu. „Wir können ja Tahona rufen und mit ihr darüber reden“, meinte Marc. „Kinder, ihr habt doch von ihr solch ein Kommunikationsgerät bekommen, ruft sie doch an!“
Carolyn sprang auf und stürmte die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf. Wenig später kam sie mit dem kleinen Kästchen in der Hand wieder herabgesprungen. „Tom“, rief sie, „Mach Du das!“ Tom nahm ihr das kleine Gerät wie selbstverständlich aus der Hand und drückte den Rufknopf tief in das Gehäuse. Ein Summen ertönte und ein kleiner Stab, wohl ähnlich einer Antenne, schob sich aus dem Kästchen hervor. An der Spitze bildete sich ein blau strahlender Ring, in dessen Mitte nach nur ganz kurzer Zeit das Gesicht einer Frau erschien. Tahona!
Deutlich war ihre Stimme zu vernehmen: „Hallo, Tom, warum rufst Du mich? Kann ich etwas für Dich tun?“ Aufgeregt berichtet Tom davon, was sich in den vergangenen vier Monaten auf seinem Heimatplaneten zugetragen hatte und das eine große Anzahl von Staaten übereingekommen war, den Weltraumvagabunden einen Platz auf der Welt, von der sie einst gekommen waren, zur Verfügung zu stellen. Tahona war über diese Neuigkeit begeistert und rief aus: „Das werde ich gleich meinen Raumschiffkommandanten, egal, wo sie sich gerade befinden. Sicher wird es einige Zeit dauern, bis wir eintreffen werden. Wir müssen ja zuerst unseren Stützpunkt auflösen und alles Material zur Erde bringen. Es ist ja nicht besonders weit!“
Marc stutzte. „Nicht so weit? Ja, wo ist denn euer Stützpunkt?“ Tahona schmunzelte und sagte dann: „Im Asteroidengürtel dieses Sonnensystems. Wir haben dort einen der vielen Gesteinsbrocken ausgehöhlt und uns, als wir die Erde verlassen mussten, eine Basis eingerichtet.“
Tom schoss hoch und rief: „Jetzt wird mir so Einiges klar, ihr ward das mit den UFOS, die immer wieder über der Erde auftauchten und zu allerlei Spekulationen Anlass gaben.“ Tahona lächelte. „Ja, das waren wir, schon lange beobachten wir eure Entwicklung.“ Die Geschwister sahen sich erstaunt an und auch die Erwachsenen schauten verdutzt in die Runde. Tahona, die immer noch aus dem blau schimmernden Ring hervor sah, wandte sich plötzlich ab und redete mit jemandem, der hinter ihr stand. Dann blickte sie nach vorn und ihr Gesicht sah überhaupt nicht mehr fröhlich aus. „Gerade bekomme ich eine Meldung über ein merkwürdiges Vorkommnis. Irgendetwas passiert da draußen. Sollte sich ein alter Feind, den wir in unserer fernen Vergangenheit schon einmal begegnet sind und der am Untergang unseres Inselkontinents beteiligt war, wieder aufgetaucht sein? In einem System mit einer Sonne ähnlich der euren, die von sechs Planeten umrundet wird, hat sich eine Welt aus ihrer Kreisbahn gelöst und fliegt hinaus ins All. Nach Berechnungen wird der Planet, der sich mit einer abnorm hohen Geschwindigkeit bewegt, in einer ferneren Zukunft euer Heimatsystem durchkreuzen. Wir sollten schauen, was wir bis dahin tun können, um dieses zu verhindern, aber das hat ja noch genügend Zeit.“ Aufregung machte sich breit und Tom rief: „Tahona, wir sollten uns treffen, um weiter darüber zu sprechen, komm am besten zu uns.“ Tahona lächelte ihn an und sagte dann: „Ich hatte es sowieso vor, zu kommen. Wollte mich ein wenig umschauen, wer uns denn aufnehmen möchte und ich habe dazu einen Vorschlag zu machen. Ich werde also in etwa zwei Tagen bei euch sein.“ Das Gesicht verschwand und der blaue Ring erlosch.
Carolyn, die regungslos und in Gedanken versunken in einem der alten Ledersessel saß, sagte ganz plötzlich, wie zu sich selbst: „Ich denke, vielleicht hat das mit vielleicht einem Traum, der mich seit einigen Nächten quält, zu tun. Hört alle zu, ich möchte versuchen, euch von diesem Traum zu erzählen. Ob der aber mit dem, was uns Tahona eben mitteilte, in einem Zusammenhang steht, das kann ich mir noch nicht vorstellen. Gespannt wandten ihr ihre Eltern und ihre Freunde ihr Gesicht zu und selbst Lanudas kroch aus der Jackentasche von Hans und setzte sich auf seine Schulter, um von dort aus auch ganz bestimmt nichts zu versäumen.
Kapitel 2
Carolyns Traum

Zögernd begann Carolyn, zu sprechen. „Ich träumte, und dieser Traum verfolgt mich seit einigen Nächten, ich wäre an einem Platz, den ich nie zuvor sah. Im Hintergrund stand eine Burg oder ein Schloss, umgeben von einem geheimnisvollen grünlich schimmernden Licht. An den Seiten standen irgendwelche flachen Gebäude und plötzlich war ich in einem dieser Hallen. Ich flog durch das Dunkel, ja, ich flog! Überall ratterten Maschinen und spuckten merkwürdige Teile aus, die von Gestalten, die ich nicht erkennen konnte, abtransportiert wurden. Diese Gestalten versuchte ich, zu beschreiben, aber das Einzige, was mir von dem Traum in Erinnerung geblieben ist, waren lange schwarze Kutten, in die sie sich eingehüllt hatten und die von einer glitzernden Kette zusammengehalten wurden. Und dass es in dieser Halle fast dunkel war. Auf dem Kopf trugen sie schwarze spitze Hüte. Es war sehr gruselig anzuschauen und ich hatte das Gefühl, dass von dieser merkwürdigen Fabrik und dem Schloss eine große Gefahr ausgehen könnte. Ich hörte auch Stimmen, die seltsame Sprüche vor sich hinmurmelten und nach einer langen Zeit, die ich frei schwebend unter dem Hallendach verharrte, wurde ich ins Freie hinausgeworfen, sah wieder diesen gespenstisch leuchtenden Turm und hörte ein hämisches Gelächter, welches nicht enden wollte. Was dann geschah, ich kann mich nicht erinnern, denn ich wurde schlagartig wach und war von kaltem Schweiß bedeckt. In jeder Nacht, in der mich der Traum heimsuchte, endete er immer genau an dieser Stelle. Was hat das denn wohl zu bedeuten? Und warum wurde er immer genau an der gleichen Stelle unterbrochen? Noch nie habe ich so deutlich geträumt!“
Ihre Mutter erhob sich und nahm ihre Tochter in den Arm, um sie zu beruhigen. „Wir werden gemeinsam versuchen, herauszubekommen, was es mit diesem Traum auf sich hat“, sagte sie zu Carolyn und Tom ergänzte: „Bestimmt hast du am Abend vorher etwas Schweres gegessen, dann träumt man so etwas!“ „Jeden Abend?“, antwortete Carolyn schnippisch.
Lanudas, der immer noch auf der Schulter von Hans hockte, rieb sich seine lange spitze Nase und wisperte, fast nicht hörbar: „Ich werde mal meine Freunde und vielleicht auch unsere Alten nach der Bedeutung des Traumes fragen, geduldet euch einem Augenblick.“ Er streckte seinen dünnen Zeigefinger aus, ein Licht entwickelte sich an seinem spitzen Fingernagel, stieg zur Decke, es gab einen lauten Knall und der Troll war verschwunden, um gleich darauf mit einem eben so lauten Knall wieder zu erscheinen, aber er war nicht allein zurückgekommen. In seinem Schlepptau Ladina und Lakuno! Was wollte er denn mit den beiden Trollen? Konnten die beiden Freunde denn helfen? Hans, der seinen Troll gut kannte, schmunzelte und er dachte: „Der kleine Zwerg verbirgt mal wieder etwas vor mir. Aber ich wundere mich doch immer wieder, über welche Fähigkeiten er verfügt und was er mir im Laufe der Zeit alles verheimlicht hat!“

Lanudas erzählt
Der Troll, nun umgeben von seinen beiden Freunden, setzte sich in Positur, seine Augen blitzten schelmisch und er begann, zu erzählen. „Ich war etwas zwei Tage in unserer Heimat und habe dort allerlei erfahren. Es hat in der Vergangenheit schon einmal jemanden gegeben, den solche Träume gequält hatten und es ist aufgeschrieben worden. Es hat etwas mit einer Hexenwelt zu tun, die irgendwo dort draußen sein soll. Wie ihr wisst, gibt es sowohl schwarze, also böse Hexen als auch die weißen Hexen, die ihr Leben dem Guten und der Hilfe an den Menschen verschrieben haben. Die genaue Position der Hexenwelt ist uns nicht bekannt aber es ist überliefert, dass diese Hallen, in denen etwas produziert wird, ein schlimmes Geheimnis bergen. Immer dann, wenn dort etwas angefertigt wird, können große Gefahren über die Menschheit oder eine der anderen Welten hereinbrechen. Wir müssen alle Völker warnen. Es braut sich etwas zusammen, dort draußen“. Er verstummte.
Lakuno, sein Freund und Verwandter meldete sich nur knapp mit den Worten: „In diesen Kreisen gibt es jemanden, eigentlich sind es ja zwei Menschen, denen das Hexenwerk nicht fremd ist und diese beiden müssen sich auf den Weg machen, die Hexenwelt zu finden.“ Ratlos schauten sich Kinder und Eltern an. Wer war denn damit gemeint? Die Trollin Ladina löste das Unverständnis auf. „Es gab in eurer Familie eine weiße Hexe, unsere alten Trolle wissen davon. Sie war in den vergangenen Abenteuern immer wieder bei euch, um zu helfen. Auch dieses Mal sollte es so sein und die zweite Person?“ Sie sah Carolyn an und die fühlte, wie sich die Haare auf ihren Armen aufrichteten und sie spürte eine Gänsehaut am ganzen Körper!
Tom schaute nachdenklich auf und meinte: „Da kann doch nur Betty gemeint sein, unsere geheimnisvolle Ahne. Wie sollen wir uns denn mit ihr in Verbindung setzen? Sie lebt doch in einer anderen Zeit und wie sollen wir uns mit ihr in Verbindung setzen?“
Elisabeth
Oben im Haus klappte eine Tür, Schritte auf der Treppe wurden hörbar und eine Frau in den besten Jahren trat in ihr Wohnzimmer. Sie trug einen blauen spitzen Hut und einen langen dunkelblauen Umhang, der mit goldenen Sternen besetzt war. In der Hand trug sie eine kleine silberne Schachtel. Alle schauten verdutzt, nur Marc lächelte verhalten, er ahnte, wer da gekommen war, eine Ähnlichkeit mit seiner Frau June war nicht zu verkennen. „Hallo, Elisabeth“, wandte er sich an den Neuankömmling und die Frau antwortete: „Hallo, June, hallo Marc. Ich sehe, Hans ist auch da mitsamt seinen Trollen und seit herzlich gegrüßt, Carolyn und Tom. Carolyn, die das Lächeln ihres Vaters wohl richtig gedeutet hatte, sprang auf und rief fragend: „Bist du Betty und warum siehst du jetzt fast wie meine Mutter aus?“ Die Frau wandte sich ihr zu und sah sie lange an. „Groß bist Du geworden. Hier, nimm!“, und sie reichte Carolyn das silberne Kästchen. „Öffne es“, sagte sie, „du wirst darin etwas sehr Wichtiges finden, du wirst es für das, was wir jetzt gemeinsam unternehmen wollen, als dein neues Handwerkszeug dringend gebrauchen.“
Erstaunt drehte Carolyn das Kästchen in ihren Händen und dann klappte sie den silbernen Deckel auf. Ein grünlich schillernder Stab, an dem ein fein ziselierter Schlüssel hing, kam zum Vorschein. „Was ist das?“, wandte sie sich an Betty. „Das ist dein Zauberstab und der Schlüssel gehört zu einem Schrank in einem uralten Gebäude an einem fernen Ort. Den werden wir jetzt gemeinsam besuchen und dort wirst Du allerlei lernen. Hab keine Angst, dir wird keine Zeit verloren gehen. So wie du mit mir gemeinsam gehen wirst, kehrst du nur Augenblicke später zurück, obwohl in der Zwischenzeit allerlei geschehen sein wird. Als eine Reisende zwischen den Welten, ich gab dir die Fähigkeit dazu,[2] müssen wir gemeinsam deine Ausbildung vollenden. Packe dir ein paar Sachen ein und dann komm, wir sollten schon bald gehen, die Zeit drängt.“ Betty sah in die Runde, sah June beruhigend an und sagte: „Keine Sorge, wir sind gleich zurück.“ Carolyn hatte inzwischen hastig ihren Rucksack gepackt und sah Betty an. „Was nun?“, fragte sie und Betty, die wie eine erwachsene Frau, etwa so alt wie ihre Mutter, aussah, antwortete: „Erstmals wirst du den Stab benutzen, er wird uns gemeinsam in eine Schule bringen, eine Schule, in der du die Geheimnisse der weißen Hexerei lernen wirst und da wir ja unverzüglich zurückkehren werden, können die anderen ruhig noch etwas sitzen bleiben.“
Tom sprang auf. „Ich möchte auch mit, vielleicht wird ja aus mir ja einmal ein berühmter Zauberer!“ Er zögerte einen Augenblick und murmelte dann: „Ach nein, lieber studiere ich dann doch Astrophysik, ich möchte doch Neues entdecken und die Geheimnisse des Universums erforschen.“ Betty oder besser Elisabeth schüttelte nur den Kopf und sagte zu Tom: „Nein, das wird nicht gehen, du und deine Freunde, ihr werdet dann gebraucht werden, wenn wir zurück sind. So, nun genug, komm, Carolyn, nimm den Stab zur Hand!“ Carolyn nahm den Stab aus seiner Hülle und sah ihre Ahnin fragend an. Die sagte nur: „Hebe ihn hoch, schwinge ihn hin und her und dann sage laut und deutlich das Wort ALUSHI!“
Carolyn folgte ihrer Anweisung, ein Licht entwickelte sich aus der Spitze des Stabes, an der Zimmerdecke war plötzlich etwas, das wie ein großer Spiegel aussah, und ein heraus schnellendes Licht saugte sie auf. Sie waren verschwunden!


[1] Siehe „Spiegelwelten Der Kristallkrieg“
[2]              siehe „Spiegelwelten Die zwölf Bücher“

Mittwoch, 12. Februar 2014

Lesen und Hören

Herzlich willkommen zum Lesen  und Hören. Bilder, die zu meinem ersten Buch beigetragen haben, zusammegefasst zu einem Video, verbunden mit einem Interview, welches ich bei O1 (Oldenburg regional) hatte. Viel Freude!

(c) Rolf Glöckner

Montag, 3. Februar 2014

Einladung zur Lesung



Modernes Märchen, Fantasy vom Feinsten, Geniale Geschichte für Jugendliche von 8 bis 80, so titelten viele Leser!



Die Bünting-Akademie im Einkaufsland Wechloy und der Oldenburger Autor Rolf Glöckner, laden Sie ein, in eine fantastische Welt mit wundersamen Wesen, Welten und spannenden Abenteuern einzutauchen.
 

Was ein heruntergefallener Spiegel nicht alles bewirken kann………

Wo:           Bünting-Akademie im Einkaufsland Wechloy



Wann:       Donnerstag, 6. März 2014



Beginn:     18:00 Uhr Ende: 20:00 Uhr



Nach der Lesung haben Sie Gelegenheit, persönlich mit dem Autor zu sprechen und ein signiertes Buch zu erwerben.





Herzlich willkommen !



Ihre Bünting-Akademie im Einkaufsland Wechloy und ihr Rolf Glöckner

Anmeldungen sind erwünscht unter 0441/794380 (Bünting-Akademie) oder per Mail an: jutta.hoppe@famila.buenting.de oder auch an mich rolf.gloeckner@ewetel.net


Sonntag, 26. Januar 2014

Spiegelwelt Der Kristallkrieg Leseprobe Kapitel 40



Spiegelwelten Der Kristallkrieg


Kapitel 40
Spinnennetz

Noch wirkten die Ereignisse des Angriffs auf das rote Monster nach. Alle, die dies miterleben mussten, versanken in tiefer Trauer. So viele tapfere Frauen und Männer hatten für die Rettung der Heimatwelt ihr Leben lassen müssen.

   Ralph und der Wissenschaftler aus Berlin waren bereits wieder in Florida eingetroffen, als sich beunruhigende Meldungen aus allen Teilen der Welt häuften. Überall an den roten Kristallbergen durchstießen, sternförmig angeordnet, Ausläufer aus dem geheimnisvollen roten Mineral die Wasseroberflächen und begannen zu wachsen. Solange sie sich im Meer befanden, ging das Wachstum relativ schnell voran, und erst einmal ging davon keine besondere Gefahr aus. Dort aber, wo die roten Speere auf Land stießen und eine erste menschliche Siedlung erreichten, richteten sie heillose Zerstörungen an. Alles, aber auch alles wie Berge, Wälder, Häuser und Brücken wurde ganz einfach durchstoßen. Erste Opfer waren zu beklagen. In London wurden  der Tower und viele andere Gebäude zerstört und dann erreichte einer dieser roten Pfeile den Atlantik mit Kurs auf New York.

    Überall auf der Welt heulten die Alarmsirenen. Vom zentralen Beobachtungszentrum in Florida ausgehend, wurde ein Verteidigungsversuch koordiniert. Weltweit stiegen mit Raketen munitionierte Kampfflugzeuge auf und griffen die spinnennetzartigen roten Kristallbahnen an. Mit allem, was der Erdbevölkerung zur Verfügung stand, wurde gemeinsam gegen die Bedrohung vorgegangen. Ein weltweiter Krieg war entbrannt und die Zwistigkeiten zwischen den einzelnen Staaten waren plötzlich gegenstandslos geworden. Die verschiedensten Länder, unabhängig von ihren politischen Ausrichtungen, arbeiteten plötzlich Hand in Hand, denn es ging um ihre Welt. Es ging vielleicht
auch um das nackte Überleben. Es musste unter allen Umständen verhindert werden, dass sich das Spinnennetz schloss.

   Die ersten Raketen wurden abgefeuert und automatisch auf ihre Ziele gelenkt. Explosionen ereigneten sich überall dort, wo sich die roten Kristallberge befanden und ihre Ausläufer auf den Weg geschickt hatten. Trümmer aus rotem Material regneten zur Erde oder auch ins Wasser, die Kristallfäden wurden stellenweise in kleinste Fragmente zerrissen und vergingen, als sie auf den Boden des Festlandes auftrafen, in ein graues Pulver, einer Vulkanasche nicht unähnlich. Der Angriff der Kristallmonster geriet ins Stocken. Nach geraumer Zeit, denn die roten Giganten hatten, wie die verschiedensten Messungen ergaben, erheblich an Masse verloren. Das Wachstum der Fäden stand unerwartet still. Die Angriffe jedoch gingen weiter. Aus Florida war angeordnet worden, so viele rote Bahnen wie möglich zu zerstören, und so lange noch etwas Munition in den Jägern und Bombern vorhanden war, wurde gefeuert.  Plötzlich herrschte Ruhe. Erste Aufklärungsflugzeuge gingen in die Luft, um den Schaden, der am Gegner angerichtet worden war, zu katalogisieren und so schnell als möglich nach Florida zu übermitteln. Dort herrschte Hektik. Um Ralph hatten sich sowohl Militärs als auch Wissenschaftler versammelt und schrien die absurdesten Theorien heraus.

   Ralph bat um Ruhe, und als das nicht fruchtete, fragte er den General: „Haben Sie eine Pistole? Dann geben Sie sie mir!“ Er nahm die Pistole in die Hand, richtete sie gegen die Decke und drückte ab. Totenstille kehrte ein. Nun war der Astrophysiker in der Lage, etwas zu der jetzigen Situation auszuführen. „Meine Damen und Herren, ich glaube nicht, dass wir einen Sieg errungen haben, das war nur das erste Gefecht, das allerdings zu unseren Gunsten ausging. Es bedeutet aber nur einen Zeitgewinn, denn wenn Sie zurückschauen, wie schnell die Kristallgebilde gewachsen sind, dann können Sie davon ausgehen, dass wir etwa eine Woche bis vierzehn Tage Zeit haben werden, bevor, und da bin ich sicher, der nächste Angriff unseres Gegners erfolgen wird. Der Krieg hat gerade erst begonnen. Lassen Sie uns überlegen, wie wir der Bedrohung Herr werden können, denn sollte es zu einem gleichen Angriff kommen, werden wir irgendwann unser Pulver verschossen haben.“ Er schwieg und ließ seine Worte wirken.

   Er wandte sich an den Oberkommandierenden der amerikanischen Streitkräfte, der inzwischen in Florida eingetroffen war und stellte ihm eine Frage: „Herr General, könnten wir nicht ihr Raketenabwehrsystem einsetzen, das Sie allen Widerständen zum Trotz in der Erdumlaufbahn installiert haben und nicht benutzen, um dieser roten Plage Herr zu werden?“ Der General fuhr auf! „Sie verletzten soeben ein Staatsgeheimnis, Mister Bell!“ „Jetzt ist es aber keines mehr“, entgegnete Ralph und einige russische und chinesische Offiziere horchten auf. Hatten es die Amerikaner unter strikter Geheimhaltung doch geschafft, ein solches System ins All zu bringen? Der General begann zu stottern, aber Ralph unterbrach ihn: „Ich muss es ja wissen, habe ich doch an der Entwicklung mitgearbeitet!“

Samstag, 4. Januar 2014

Die Schreiberbank

Die Schreiberbank

So oft hab ich auf dieser Bank schon gesessen,
habe geschrieben, habe in Spiegeln gedacht.
Habe dabei oft die Zeit und den Raum vergessen.
Dort hat mir das Schreiben unendliche Freude gemacht.

Das Jahr ging zu Ende und es war verbunden
mit Feiern, mit Böllern, mit bunten Raketen.
Wieder habe ich den Weg dorthin gefunden
und was ich dort sah, ich war ganz betreten.

Da lag der Müll, mein Sitzplatz war angesengt
wie konnte ein solches denn nur geschehen?
Wer hat den Silvesterunrat mir leider geschenkt?
Schüttelte den Kopf, konnte es nicht verstehen.

Wie kann ich dort, wenn ich möchte schreiben,
hingeben fantastische Zeilen auf kleinem Papier,
ich glaube, hier lass' ich es besser bleiben,
suche einen neuen Schreibplatz mir.




 (c) Rolf Glöckner