Dienstag, 10. Dezember 2013

Verlosung von "Spiegelwelten"

 V E R L O S U N G!

und die Gewinner sind:

Spiegelwelten Der Kristallkrieg     Heinrich Pütthoff

                                                          Gudrun Hölling

Spiegelwelten Die zwölf Bücher    Uwe Bernds

                                                          Hans-Otto Volkmann

Ich habe entschieden, jeweils zwei Exemplare zu verlosen und die Besonderheit: Spiegelwelten Der Kristallkrieg ist aus dem ersten Entwurf, den ich selbst habe drucken lassen und wer dort Fehler findet, kann sie gern behalten. (Die Auflage vom Verlag ist noch nicht fertig, kann dort aber vorbestellt werden  http://salonlöwe-verlag.de.)

Ich freue mich über die Teilnahme und wünsche allen ein gutes Jahr 2014.

Ich verlose  jeweils ein Exemplar  meiner Bücher "Spiegelwelten Die zwölf Bücher" und "Spiegelwelten Der Kristallkrieg" im Rahmen meiner Lesung im Einkaufsland Wechloy in Oldenburg.

Diejenigen, die in meinem Blog ihren Kommentar hinterlassen, nehmen an der Verlosung teil. Bitte geben Sie im Kommentar auch ihre Mail-Adresse an, damit ich mich mit Ihnen, falls Sie gewinnen sollten, in Verbindung setzen kann.

Die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen, endet am 31. Dezember  2013. Eine Leseprobe finden sie hier:

http://rolfs-spiegelwelten.blogspot.com







Und nun:  Viel Glück und eine rege Teilnahme

(c) Rolf Glöckner

Sonntag, 27. Oktober 2013

Entstehungsorte

Entstehungsorte
Hier entstanden viele Zeilen,
am Osterburger Kanal auf einer alten Bank.
Hier tat ich oft und lange verweilen,
nun sind schon drei fertig, groß mein Dank.
Schrieb viele Kapitel in ein kleines Buch
Motive, die ich sah, waren Inspiration
Die Fantasie hinan mich trug
Hoffe auf Leser, nun kommt doch schon.
( c ) Rolf Glöckner
"Spiegelwelten Die zwölf Bücher" ist erschienen im Salonlöweverlag,  Mainz und ist, wie die anderen auch, bei Amazon als Taschenbuch und als Ebook und  im Buchhandel erhältlich.  Band zwei, "Spiegelwelten Der Kristallkrieg" ist ebenfalls bereits erschienen und die Trilogie vervollständigte "Spiegelwelten Das Hexenschloss" Bleibt also neugierig!



 

Montag, 16. September 2013

Spiegelwelten Der Kristallkrieg - Leseprobe -









Spiegelwelten
Der Kristallkrieg

Ein Fantasyroman von
Rolf Glöckner

 

Kapitel 1:
 Ein Jahr später

Ein Jahr war seit ihrem großen Abenteuer in den Spiegelwelten vergangen, ein Jahr, angefüllt mit Schule, Reisen mit den Eltern, Treffen mit Freunden, Sport,  Aufgaben im Haus und was der Dinge mehr waren. Doch alles das wurde überdeckt von einer manchmal tödlichen Langeweile, Carolyn und Tom fieberten nach neuen Herausforderungen. Welch ein Abenteuer hatten sie doch gemeinsam mit ihren Eltern, ihrem Onkel und seinen Trollen, der geheimnisvollen Betty und den vielen Freunden erlebt.
Oft saßen sie am Abend noch mit ihren Eltern vor dem flackernden Kaminfeuer und unterhielten sich über das, welches sie gemeinsam erlebt hatten, bis endlich ihre Eltern, June und Marc, ein Machtwort sprachen und die Kinder ins Bett schickten.
An einem Abend, es regnete wieder einmal heftig und Sturmwinde heulten um das Haus und alles war wie damals, als sie unvermutet in ihr großes Abenteuer hineinschlitterten.  Carolyn und Tom waren gerade dabei, nach einer freundlichen Ermahnung ihrer Eltern, ihre Zimmer aufzuräumen, als Carolyn plötzlich laut aufschrie, zu ihrem Bruder ins Zimmer rannte und außer Atem ausstieß: „Tom, komm bitte ich habe…“. Sie stockte und fuhr dann, schon etwas ruhiger, fort: „Ich glaube, ich habe Lanudas gesehen!
Er erschien mir in dem großen alten Bild, welches über meinem Schreibtisch hängt.“ „Du spinnst!“, antwortete ihr Bruder, „wir haben in der letzten Zeit  wohl zu viel über unsere Erlebnisse und Abenteuer gesprochen und nun siehst Du schon Gespenster! Na gut, wir gehen jetzt gemeinsam hinüber und dann schauen wir uns das Bild noch einmal genau an, vielleicht war es nur Licht, das von draußen durch das Fenster fiel oder Du hast es Dir einfach nur eingebildet“
Sie gingen zusammen in Carolyns Zimmer und Tom betrachtete aufmerksam das alte Bild, welches dort unverändert über dem Schreibtisch hing. „Siehst Du, alles nur pure Einbildung, lass uns einfach weitermachen, sonst müssen wir uns nachher von unseren Eltern wieder etwas anhören.“ „Aber“, entgegnete Carolyn, „ich habe ihn wirklich ganz ganz deutlich gesehen!“ „Ach, Quatsch!“, entgegnete Tom, „Du weißt doch, wo er wohnt, bei Onkel Hans in einer der Jackentaschen, da kann er doch nicht aus einem Bild herausschauen, das glaube ich einfach nicht!“
Er schmunzelte ein wenig und wollte noch etwas sagen, aber er wurde abrupt durch ein von unten kommendes Geräusch unterbrochen.
An der Haustür klingelte es Sturm. Sie hörten, wie jemand den Flur entlangging, die Tür öffnete und erstaunt, es war June, ausrief: „Bruder, wo kommst denn Du her? Komm schnell herein, Du bist ja ganz nass! Was treibt Dich denn bei diesem schrecklichen Wetter hierher“ Die Kinder schauten sich sprachlos an.
Hans, ihr Onkel? Was für ein Zufall! Erst behauptete Carolyn, Lanudas, den Troll gesehen zu haben und nun tauchte ihr Onkel auf? Seltsam! Gab es da einen Zusammenhang?  Unten wurde gesprochen und trotz angestrengten Lauschens konnten Carolyn und Tom nur Bruchstücke verstehen, dann hörten sie schwere Schritte auf der Treppe, ihr Onkel kam zu ihnen herauf.
 Lachend sah er die beiden an und sagte: „Na, wie geht es denn meinen beiden Spiegelreisenden?“ „Onkel Hans!“, rief Carolyn, sprang hoch und fiel ihrem Onkel um den Hals. Der strich ihr über das Haar, begrüßte dann Tom mit einem kräftigen Händedruck und fragte, während ein schelmisches Lächeln über sein Gesicht ging: „Hat jemand von Euch Lanudas gesehen? Ihr wisst schon, den kleinen Troll, der mich auf meinen Reisen stets begleitete.“  „Ja“, rief Carolyn, eben gerade schaute er aus dem Bild in meinem Zimmer hervor.“ Sie wies in die Richtung des Bildes, welches durch die noch geöffnete Tür deutlich zu sehen war. Ihr Onkel schüttelte, vielleicht ein wenig ungläubig, den Kopf.
„Ich will Dir glauben, aber jetzt ist er nicht da, mal sehen, ob ich eine Verbindung zu ihm herstellen kann.“
Er wandte sich um, trat vor das Bild und nahm dann einen kleinen grünen Kristall aus einem kleinen ledernen Beutel, den er aus einer seiner unzähligen Jackentaschen hervorgezogen hatte. Er begann, den kleinen grünen Stein zwischen seinen Handballen zu reiben, schnell und immer schneller.
Ein schneidendes Geräusch entwickelte sich und Carolyn hielt sich entsetzt die Ohren zu.
An der Decke des Zimmers erschien eine helle Linie, die sich immer mehr ausweitete. Ein Spalt tat sich dort ganz unvermutet und laut kreischend auf und eine kleine Gestalt, sich überschlagend und laut mit einer den Kindern sehr bekannten  hohen Stimme schimpfend, fiel zappelnd auf den weichen Teppich von Carolyns Kinderzimmer.
Lanudas der Troll! Noch immer laut krakeelend, rappelte sich die Gestalt auf, stellte sich auf seine dürren Beinchen, zupfte seine Kleidung zurecht und giftete los:
„Hans, Du Tölpel, wann endlich wirst Du es fertigbringen, mich  auch nur einmal vernünftig landen zu lassen? Jedes Mal hole ich mir einige Beulen, irgendwann einmal werde ich mir bei solch einem Sturz den Hals brechen! Oh, mein Kopf, mein armer Kopf! Aber Du bist ja jedenfalls gekommen, so wie ich es gewünscht hatte.“
 Tom, der dem seltsamen Treiben des kleinen Trolls zugeschaut hatte, konnte nun nicht mehr an sich halten und rief, viele Fragezeichen in den Augen: „Was wollt Ihr hier, ich verlange ein Erklärung!“ Hans wandte sich ihm zu und sah ihn lächelnd an.
„Lass und nach unten gehen, ich habe wohl wieder einmal viel zu erzählen und Lanudas sicherlich um Einiges mehr. Er war es, der mich rief und mich, ich konnte mich dagegen nicht wehren, hierher lenkte. Das kann er gut, mein kleiner Freund.“
Er beugte sich vor, schnappe mit einem schnellen Griff den Troll an seinem Gürtel und stopfte ihn etwas unsanft in eine seiner großen Brusttaschen, verließ das Zimmer und begann, die Treppe hinabzusteigen.
Aufgeregt folgten ihm die Kinder hinunter in das große Wohnzimmer, in dem ihre Eltern, June und Marc sie schon erwarteten. Schnell setzten sie sich vor den alten Kamin, in dem ein munteres Feuer flackerte und harrten der Dinge, die da kommen würden. Kam da ein neues Abenteuer auf sie zu? Was hatten ihr Onkel und der kleine Troll wohl zu berichten? Carolyn hüpfte aufgeregt immer wieder von ihrem Sessel hoch und rief: „Nun sag schon, was wollt ihr hier, was ist geschehen?“
Hans sah sie lächelnd an. „Noch immer ungeduldig, meine Kleine? Sei geduldig, unser kleiner Freund ist derjenige, der allerlei zu berichten hat.“

Kapitel 2
Deja Vu

Carolyn schauderte es, als sie endlich alle in ihrer großen Wohnstube zur Ruhe gekommen waren. Es gab allerdings einige kleine Unterschiede zu damals: Ihre Eltern, Lakuno mit seiner Partnerin und Betty, die ihnen so unterschiedlich alt erschien, waren nicht dabei gewesen. Nun müsste nur noch Sulass aus dem Volk der Rucks auftauchen und alles wäre fast wie damals gewesen. Carolyn beschlich ein leises Gefühl der Angst, welches sie sich nicht erklären konnte. Es war, als hätte sie das alles schon einmal geträumt.
Tom, ihr Bruder dagegen, schaute neugierig und schon ganz abenteuerlustig in die Runde, als der Troll Lanudas das Wort ergriff. „Gefahr droht, Eure Hilfe ist von Nöten!“
Kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen, war von oben, ganz von oben, vom Boden nämlich, ein lautes Gerumpel zu vernehmen. Dann gab es einen heftigen Bums, als ob sich jemand an etwas Hartem gestoßen hätte und als dann noch ein lautes, schmerzerfülltes Brummen ertönte, war es den Kindern sofort klar: Sulass war eingetroffen. Kurz darauf hörten sie seine schweren Schritte auf der Treppe, die Tür zum Wohnzimmer öffnete sich und Sulass trat ein, den unvermeidlichen großen Sack auf den Schultern, suchte sich einen Platz und setzte sich schmerzerfüllt brummend. Er rieb sich seinen runden Bärenschädel und rief ärgerlich: „Könnt ihr den Treppenaufgang denn nicht etwas höher gestalten? Jedes Mal habe ich Mühe, die Stiege ohne mich zu verletzen, herabzusteigen“.
Alle, besonders die Geschwister, lachten laut auf. Sulass, noch immer brummend, stellte seinen großen geheimnisvollen Sack mit einem dumpfen Geräusch neben sich auf den Boden.
Aus dem Sack, der nicht besonders fest zugebunden war, sahen zwei spitze Mützen heraus und eine schrille Stimme, die von Lakuno, ertönte: „Lanudas, Du dachtest wohl, Du könntest ohne uns auf eine neue Abenteuerreise gehen, wie! Ich habe auch Ladina mitgebracht, vielleicht kann sie uns bei dem neuen Abenteuer, welches uns offensichtlich hier zusammenführte, begleiten.“
Der Angesprochene nuschelte nur etwas in seinen Spitzbart, um dann fortzufahren: „Es droht Gefahr, ich sagte es schon, ich konnte nicht direkt zu Euch springen, durch irgend einen Umstand, den ich noch nicht kenne, wurde ich am Übergang gehindert und brauchte dazu den grünen Kristall von Hans, nur er konnte mir damit die Tür öffnen. Warum allerdings sich das mit der Gefahr schon so weit herumgesprochen hat, zeigt mir deutlich, dass die Gefahr jetzt größer ist, als ich bisher angenommen habe.“
June und auch Marc wollten, inzwischen ein wenig aufgeregt, etwas fragen, doch Carolyn und auch Tom kamen ihnen zuvor.
„Welche Gefahr droht und was hat das mit dem grünen Kristall auf sich und an welchem Ort droht die Gefahr und wann und warum sind wir diejenigen, die helfen können?“ „Das weiß ich auch noch nicht genau“, antwortete der Troll, „jemand sprach zu mir wie in einem Traum, ich konnte ihn aber nicht genau erkennen.“ „Wegen eines Traumes hast Du mich aufgescheucht, du spitzohriger Geselle, mich hierher zitiert und das alles wegen eines Traumes?“ empörte sich Hans, „das wirst uns jetzt einmal genau erklären müssen!“
Alle setzten sich wieder auf ihre Plätze und der Troll begann zu sprechen.
Die Gefahr kommt
„Es ist eine alte Geschichte, die bei uns Trollen schon vor langer Zeit aufgeschrieben wurde und die sich in einer fernen Vergangenheit ereignete. Dieses Ereignis hatte fast das ganze Land der Trolle zerstört und nur mit der  Hilfe von anderen Völkern gelang es, unser Land zu retten und wieder aufzubauen, denn die Zerstörung, die angerichtet wurde, war ungeheuer groß. Es hat mit Kristallen zu tun und der Welt, auf der sie leben. Diese Gefahr ist nun wieder präsent und dieses Mal wird sie sich gegen eure Welt richten. So sind zumindest die Erkenntnisse, zu denen unsere Ältesten, unsere weisen Trolle, gelangt sind. Ihr seid ihr Ziel!“
Carolyn sprang auf. „Was ist es denn nun für eine Gefahr, sag es uns endlich!“, rief sie aus.  Tom, von der Aussage des Trolls erschrocken, wollte ebenfalls wissen, was nun vorfallen würde und wie sie sich dagegen zur Wehr setzen könnten. Der Troll aber fuhr fort. „Es hat etwas mit dem Kristall zu tun, welcher sich im Besitz von Hans befindet und mit dem er mich hierherholen konnte, soviel weiß ich. Dieses Kristall kann Energie in unbeschränktem Umfang speichern und so seinem Träger die Möglichkeit geben, andere Personen zu sich zu holen oder aber auch sich selbst an andere Orte zu begeben.
Dieser Kristall, vielleicht kann Hans über die Herkunft nachher noch etwas berichten, fehlt denen, die auf einer geheimnisvollen Kristallwelt leben und so werde sie kommen, um sich dieses für sie eminent wichtige Mineral zu holen und das wird sicher nicht friedlich ausgehen. Und nun sollte Hans weitererzählen, wie er an den Kristall gekommen ist und was er darüber weiß.“ Hans räusperte sich etwas verlegen, aber Sulass brummte ihm etwas zu und so musste Hans klein beigeben und begann zu erzählen.
Kapitel 3
Der Ankömmling

Kaum hatte er die ersten Worte gesprochen, als es drüben in den alten Pappeln, die am Graben am Randes des Grundstücks standen, einen lauten Knall tat, welcher von einem Geräusch wie von splitterndem Holz gefolgt wurde. Einen Augenblick war es ganz still. Ein lautes Zischen ertönte und der dämmrige Garten wurde plötzlich hell erleuchtet. Die Kinder sahen sich an und Tom rief aus: „Was war das denn eben?“, stürzte ans Fenster, zog die schwere Samtportiere zur Seite und schaute hinaus in den Garten, der sich anschickte, in die Nacht einzutauchen. Unvermittelt begann er laut zu lachen. „Kommt schnell, das müsst ihr unbedingt sehen!“
Alle sprangen von ihren Sitzen auf und stürzten zum Fenster. „Das darf  ja nicht wahr sein!“, rief  Hans, „wir haben soeben Besuch bekommen, hoffentlich hat diesen Besuch niemand gesehen, das würde in unserem kleinen Örtchen einen ziemlichen Aufstand geben!“ Inzwischen war das Licht im Garten erloschen und alle konnten nun, es war fast dunkel, eine riesenhafte Gestalt sehen, die sich soeben aus einem Gewirr von Ästen hervor arbeitete, wobei helle Rauchwolken um die riesenhafte Gestalt herumwaberten.
Ein Drache! Und so groß!  „Dracontor!“, rief Carolyn begeistert, denn sie mochte den großen weisen Drachen, der ihnen so viel bei ihrem letzten Abenteuer beigestanden hatte, „es ist Dracontor!“ Der hatte sich inzwischen zu seiner vollen Größe aufgerichtet und bewegte sich auf das Haus zu. Dann drehte er den Kopf zur Seite und eines seiner großen Augen schaute zu ihnen hinein.
Marc öffnete das Fenster, schaute in das große Auge und sagte: „Herzlich willkommen, was treibt Dich her? Und warum musstest Du wieder einmal Feuer spucken, Du schreckst ja die ganze Nachbarschaft auf.“ Der Kopf drehte sich wieder und nun drang die Stimme des alten Drachen zu ihnen in das große Wohnzimmer:
 „Es war wie ein Zwang, irgendetwas brachte mich hierher, wie das passieren konnte, weiß ich allerdings nicht. Ich war in unserer Welt dabei, mit den anderen meiner Art über wichtige Dinge zu sprechen, als ich unvermittelt ein Zerren und einen Sog verspürte, der mich aus ihrer Mitte riss.
 Ich sehe die Kinder, Sulass, den Rucks, die Trolle, Hans, June und Mark, aber ich verstehe das Ganze nicht. Er zog sein großes Maul zurück und Carolyn sah seinen Kopf. Sie schrie auf: „Schaut, was er dort am Kopf trägt!“ Entgeistert konnten auch die anderen erkennen, dass Dracontors Kopf mit einem großen Reif geschmückt war, in dessen Mitte ein großer grüner Kristall prangte.
„Schau an“, sagte Tom, „solch einen Kristall habe ich hier doch schon bei Hans gesehen und jetzt solch ein Teil am Kopf von Dracontor,  das muss eine besondere Bedeutung haben.“
Hans, der mit seinem grünen Kristall Lanudas den Eintritt in die Menschenwelt ermöglicht hatte, schüttelte erstaunt den Kopf, wandte sich an Dracontor und fragte diesen: „Wie, Dracontor, bist Du an diesen grünen Kristall gekommen, ich dachte, ich wäre der Einzige gewesen, dem es jemals gelang, die Welt der Kristallwesen unter Mitnahme eines ihrer Schätze leben zu verlassen!“ Der große Drache stieß eine Rauchwolke aus: „Können wir nicht zu einem Platz gehen, an welchem ich mich nicht so zusammenkauern muss, um mit euch zu sprechen? Und wenn ich meinen Schwanz entsprechend aufringeln könnte, wäre das schön.“ June, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, ergriff das Wort. „Wir könnten doch in die große Scheune umziehen, die ist ja, seitdem wir keine Tiere mehr haben, leer und wohl groß genug, um uns allen Platz zu gewähren. Ich bin schon ganz neugierig, was uns Dracontor zu berichten hat und von Hans wollen wir auch noch einiges hören. Nicht noch einmal möchte ich von einem Abenteuer ins andere stolpern. Drüben in der Scheune stehen noch die alten eichenen Stühle von Großmutter, nehmt euch jeder ein weiches Kissen mit, damit ihr gut sitzen könnt, wir werden, so glaube ich, eine lange Nacht voller Erklärungen vor uns haben.“
Und so machten sich alle auf den Weg in die große alte Scheune, die hinter ihrem Wohnhaus unter großen alten Eichen ihren Platz hatte. Vorsichtig bewegten sie sich über den dunklen Hof und Marc öffnete vorsichtig das Scheunentor, welches sich nur schwierig öffnen ließ.

Doch die Bedrohung wird real, aber es gelingt den Freunden, nach vielen Abenteuern die Bedrohung abzuwenden.

© Rolf Glöckner

Das Buch erscheint in wenigen Tagen im Salonlöweverlag, Mainz,

Spiegelwelten Die zwölf Bücher - Leseprobe -









      
          Spiegelwelten
-       Die zwölf Bücher -

Ein Fantasyroman von
Rolf Glöckner 

-          Leseprobe     -




Coverfotos:     © determined – Fotolia.com
                      © SimFan – Fotolia.com
                      © Katharina Wieland Müller / pixelio.de
                      © Rolf Glöckner / Rückseite
Creator:           © Tom Jay                 
Copyright:      Rolf Glöckner, alle Rechte vorbehalten.


Kapitel 1
Der alte Boden



       Der Abend schlich dahin.
Im alten Gebäude war es ruhig, nur das gelegentliche Knacken des Dachgebälks und das Rauschen der Blätter der großen Pappeln draußen am Graben, der den Garten abschloss, waren zu hören. Im angrenzenden Buchenwald spielte der Wind mit den Zweigen und trug mannigfaltige Geräusche und Tierlaute zum Haus hinüber.
Die Kinder Carolyn und Tom lagen in Toms kleinem, gemütlichem Zimmer auf dem uralten Perserteppich und schmökerten in Büchern, die sie vor noch gar nicht langer Zeit auf dem Speicher gefunden hatten. Plötzlich erschütterte ein lauter Knall, vom Dachboden ausgehend, das Haus in seinen Grundfesten.
Tom, ein Junge von etwa vierzehn Jahren, für sein Alter relativ groß, mit kurzem, wirbeligem, blondem Haar, schaute überrascht auf. Auch seine Schwester, ein wenig jünger als er und ebenfalls blond,  aber langhaarig, fuhr von ihrer Lektüre, in die sie gerade vertieft war, erschrocken hoch.
Den Kindern war aufgrund dieses Lärms ein wenig unwohl. Ihre Eltern hatten ihnen, als sie gemeinsam das Haus verließen, mitgeteilt, dass sie alte Bekannte besuchen wollten und es aus diesem Grund spät werden könne, bis sie wieder zurückkämen. Nun fühlten sich die Geschwister ein bisschen allein und Carolyn fragte ihren Bruder ängstlich: „Was war denn das eben?“
„Ach, da werden wir wohl vorhin beim Bücherkramen etwas unvorsichtig gewesen sein. Es ist wahrscheinlich auf dem Speicher irgendetwas umgefallen, das wir zuvor aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Wir können ja mal gemeinsam hinaufgehen, nachschauen und es wieder richtig hinstellen, damit die Eltern nicht schimpfen, falls sie bemerken, dass wir oben gestöbert haben. Du weißt, sie mögen nicht, dass wir allein auf dem Dachboden herumwühlen“, antwortete Tom und fuhr, fast wie zu sich selbst, nachdenklich fort: „Manchmal denke ich wirklich, sie haben irgendetwas zu verbergen.“
Tom war sich sicher, dass die Eltern nicht einverstanden waren, wenn sie sich in deren Abwesenheit dort aufhielten. Ihr Vater hatte dazu sehr deutliche Worte verlauten lassen. Allerdings bestätigte das Tom wieder in seiner Ansicht, auf dem Speicher sei unter Umständen etwas Geheimnisvolles versteckt, und manchmal glaubte er sogar, dass auf dem alten Hausboden nicht alles mit rechten Dingen zugehe.
Beispielsweise waren seine Mutter und sein Vater einmal gemeinsam hinaufgestiegen, aber schon nach kurzer Zeit vollkommen anders bekleidet wieder heruntergekommen. Das war doch wirklich äußerst seltsam! Was dort oben wohl vor sich gegangen war? Auf Nachfragen der Kinder antworteten die Eltern aber nur sehr ausweichend und erklärten auch mit keinem Wort ihre unterschiedliche Kleidung.
„Na ja, gehen wir eben einmal nachsehen“, antwortete Carolyn widerstrebend, obwohl ihr überhaupt nicht wohl bei dieser Angelegenheit war. Sie mochte nämlich den alten Speicher mit seinen dunklen Ecken und auch die knarrende alte Holztreppe, die steil ins Dunkel führte, nicht sonderlich.
Vorsichtig, fast auf Zehenspitzen und möglichst ohne irgendwelche Geräusche zu verursachen, stiegen die Kinder die steile, alte Bodentreppe hinauf und öffneten die mit rostigen eisernen Bändern beschlagene Tür. Diese schwang knarrend auf und die Geschwister tauchten ein in das Dunkel des alten, staubigen und mit Spinnweben durchzogenen Raumes. Dieser war bis in den letzten Winkel vollgefüllt mit Kisten, Sperrmüll und was man sonst noch auf einem Boden zu deponieren pflegt.
Ein seltsames Licht entströmte dem hinteren Bereich des Speichers.
Dort, von wo aus das Licht herüber schien, hatten ihre Eltern eine Menge alter Möbel und anderes Gerümpel abgestellt, die in der Mehrzahl wohl noch aus der Zeit der Ururgroßmutter stammten. Aus Erzählungen ihrer Großmutter wussten die Kinder von recht absonderlichen und geheimnisvollen Gerüchten um diese merkwürdige, schon lang verstorbene Ahne. Manche Menschen, die einige der so unglaublich erscheinenden Geschichten von ihren Vorfahren erzählt bekommen hatten, munkelten sogar, sie sei einmal eine in ihren Kreisen sehr geachtete weiße Hexe gewesen.
Den Kindern war es nicht ganz geheuer, aber sie bewegten sich beide tapfer auf das Licht zu, das in der Dunkelheit des Dachbodens vor sich hin zu wallen schien. Mit einem Mal vernahmen sie ein trippelndes Geräusch hinter sich. Eine Maus, die bestimmt auf dem Speicher zu Hause war und sich von den Kindern erschreckt fühlte, lief in Richtung des Lichtes, das aus einem großen alten Spiegel hervortrat. Sie sprang direkt in das merkwürdige Licht hinein und war, verbunden mit einem leisen Geräusch, urplötzlich verschwunden.
„Was war denn das?“, entfuhr es Tom.
Er näherte sich sehr vorsichtig dem hell leuchtenden Spiegel. Im Vorbeigehen nahm Tom einen alten, knorrigen Stock, der an einem der Schränke lehnte, in die Hand und berührte mit diesem vorsichtig die wie Glas erscheinende Oberfläche.
Nichts geschah! Die Spitze des Stockes verschwand vollständig und ohne jeden Widerstand in dem aufwallenden Licht!
Wie merkwürdig!
Carolyn schrie unvermittelt auf, als Tom, mutig wie er in seinem jugendlichen Alter war, seinen Kopf mitten in dieses Licht hineinsteckte.
„Halt, Tom, du weißt ja gar nicht, was auf der anderen Seite auf dich wartet. Vielleicht ist es gefährlich, sei doch bitte vorsichtig!“
Tom wedelte wild mit den Armen, sein Kopf blieb aber vorerst noch verschwunden. Dann, nach einer geraumen Zeit, tauchte der obere Teil des Jungen wieder auf.  Er rief total begeistert:
„Carolyn, so schau doch nur, dahinter liegt eine vollkommen fremdartige, geheimnisvolle Welt! Wir sollten sie uns einmal anschauen, meinst du nicht auch? Ich sehe einen dichten Wald und inmitten dieses Waldes befindet sich eine große, aus alten Steinen aufgetürmte Burg. Komm doch mit, es ist sicher nicht gefährlich, alles sieht so friedlich aus dort drüben. Das müssen wir uns einfach näher ansehen, hinter dem Licht hier verbirgt sich, ich habe es ganz deutlich gesehen, eine neue, völlig andere Umgebung! Das ist doch sicher wahnsinnig spannend! Die Maus ist ja vorhin auch dorthin gegangen, also warum sollten ausgerechnet wir das dann nicht können?“



Kapitel 2
                                                      Die Entscheidung fällt

    Vorbereitungen


Die beiden Kinder starrten sich an.
„Sollen wir wirklich?“, flüsterte Carolyn. „Wir wissen doch überhaupt nicht, was uns dort drüben erwartet und was passiert, wenn wir vielleicht den Rückweg nicht mehr finden. Ein wenig bange ist mir schon.“
„Ach“, meinte Tom beschwichtigend, „sei doch nicht so ängstlich, wir werden uns für dieses Abenteuer jetzt erst einmal richtig ausrüsten. Wir müssen wohl eine ganze Menge einpacken, eine Taschenlampe, Taschenmesser, eine Regenhaut, einen Rucksack und, und, und, und  ...“ 
Tom geriet ins Aufzählen all der vielen Dinge, die er auf die Reise mitzunehmen gedachte, worauf Carolyn laut zu lachen begann und fragte: „Aber wer, glaubst du, soll denn das alles tragen?“
Tom, der stets praktisch dachte und handelte, antwortete rasch: „Jeder nimmt einen Rucksack, oh, und vielleicht auch ein Seil, falls wir irgendwo klettern müssen, sowie eine Wurst, Brot, eine große Flasche Wasser und etwas Süßes.“
„Und festes Schuhwerk und warme Kleidung“, fügte Carolyn aufgeregt hinzu. „Also, lass uns schnell nach unten gehen und alles einpacken.“ 
Eilig verließen sie den unheimlichen Ort und stiegen wieder die dunkle, laut knarrende Stiege hinunter, um alles das, was sie gedachten, mitzunehmen und in ihre Rucksäcke zu packen. Als alles gut verstaut war, machten sie sich, schwer beladen mit ihrem Gepäck, auf den Weg die alte Treppe hinauf und betraten, nun doch mit reichlich Herzklopfen abermals den rabenschwarzen, fast völlig dunklen Dachboden.
Das irisierende Licht aus dem Spiegel erhellte jetzt nur ganz schwach den hinteren Teil des Raumes. Während sie beide auf das Licht zugingen, hob Carolyn ein uraltes, in Leder gebundenes Buch vom Fußboden auf, das dort vorher noch nicht gelegen hatte, nahm ihren Rucksack von den Schultern und verstaute das Buch sorgfältig darin.
„Warum willst du dich bloß mit dem Schmöker abschleppen?“, fragte Tom seine Schwester erstaunt.
„Ich weiß nicht, in mir war plötzlich eine Stimme, die mir sagte, ich solle dieses alte und auch ziemlich schwere Buch mitnehmen, es könnte uns auf der anderen Seite des Spiegels noch von großem Nutzen sein“, antwortete Carolyn selbst etwas verwirrt.
„Dann gehen wir jetzt endlich, und wenn es uns auf der anderen Seite des Spiegels überhaupt nicht gefällt oder es dort zu gefährlich wird, kehren wir sofort um, das verspreche ich dir“, beruhigte Tom Carolyn. Dann begannen sie vorsichtig, sich dem schillernden Licht in der Ecke des Bodens zu nähern.
Schließlich standen die Kinder direkt vor dem Spiegel. Das Licht irisierte in den verschiedensten Farben und es kam ihnen so vor, als wenn auch die unterschiedlichsten Geräusche zu vernehmen seien. Das Herz klopfte Carolyn inzwischen bis zum Hals und auch Tom war unruhiger, als er zugeben wollte.


Gefangen

Marc und June sahen sich an und waren ratlos.
„Was sagen wir jetzt den Kindern, wenn wir nicht früh genug zurückkommen?“, fragte June ihren Mann. Der schüttelte nur den Kopf und antwortete nichts darauf. Stattdessen begann er, die aus einem seltsamen Material hergestellte Wand ihres Gefängnisses sorgfältig zu untersuchen.
„Wie sollen wir hier nur jemals wieder herauskommen?“, wollte June in verzweifeltem Ton wissen.
„Geduld!“, antwortete ihr Mann. „Lass mich einmal schauen.“
Akribisch tastete er die Wände ab und bemerkte, fast nicht zu sehen, eine kleine unscheinbare Rille, die sich in einem Oval an der Wand entlang zog.
„Hier ist etwas!“, stieß er aufgeregt hervor. 
Marc zog ein kleines Messer, das man ihm wohl vorher versehentlich nicht abgenommen hatte, aus der Tasche und fuhr damit vorsichtig an der dünnen Rille entlang. Plötzlich spürte er einen kleinen Widerstand und verstärkte den Druck des Messers noch ein wenig. Mit einem leisen Knirschen öffnete sich nun die Wand.
Schnell versuchten beide, hineinzugreifen. June riss ein Kissen von der Liegestatt des Raumes und presste es in den jetzt schon weit aufklaffenden Spalt. Nun konnte sich dieser wenigstens nicht mehr so leicht schließen. Mit aller Kraft drückten sie gemeinsam die Platte zur Seite.
„Nun könnte es gehen“, meinte Marc schließlich. „Steigen wir hinaus, damit wir feststellen können, wo wir uns überhaupt befinden und ob es gelingt, uns zu befreien. Uns im Schlaf einfach zu betäuben und zu verschleppen … Da waren wir wohl doch etwas zu unvorsichtig.“
Sie gelangten in einen von diffusem Licht erfüllten Gang, an dessen Ende sich eine Tür zu befinden schien. Gemeinsam gingen sie darauf zu. Die Tür ließ sich ohne Schwierigkeiten öffnen.
Nachdem sie zögernd hindurchgegangen waren, fanden sie sich in einem großen Raum wieder, der angefüllt war mit den unterschiedlichsten Geräten, Skalen und etwas, das wie ein großes Steuerpult aussah. Marc näherte sich dieser Stelle, um sie genauer zu inspizieren.
„June!“, rief er, „Komm bitte mal her, ich glaube, wir befinden uns in der Luft. Von hier aus kannst du es sehen!“
Erschrocken blickten sie hinaus: Direkt vor ihnen waren Wolkengebilde, die sich hoch auftürmten.
„Und was tun wir nun?“, wollte June endlich wissen.
„Ich versuche, dieses Pult zu verstehen, und dann will ich versuchen, wieder zurück auf die Erde zu gelangen“, antwortete Marc. Sie nickten sich zu.




Kapitel 3
Was passiert hier?


Überraschendes


„So, da wären wir!“, flüsterte Carolyn. „Und nun?“
„Ach“, antwortete Tom, „ganz einfach, wir steigen jetzt durch den Spiegel und schauen uns auf der anderen Seite um, bevor wir uns zu der Burg oder was auch immer dieses alte Gebäude sein mag, auf den Weg machen.“
„Du solltest aber vorher noch einmal hindurchschauen, damit wir auch sicher sind, dieses fremde Land ungefährdet betreten zu können. Vielleicht ist es dort inzwischen ja dunkel“, wisperte Carolyn und schüttelte sich. „Schau auch mal nach unten, wir wissen ja noch gar nicht, ob wir nicht herunterfallen oder vielleicht sogar ein Seil brauchen, um in diese fremde Welt hinab zu gelangen. Etwas Angst habe ich schon und wenn unsere Eltern zurückkommen und wir dann nicht in unseren Zimmern sind, was werden sie dann wohl denken, wo wir uns gerade aufhalten.“
Tom versuchte, Carolyn wieder etwas zu beruhigen und meinte deshalb ganz lässig: „Wird schon nichts passieren. Ich stecke zu deiner Beruhigung erst noch einmal den Kopf durch das Licht, bevor wir tatsächlich durch den alten Spiegel hindurchgehen.“
Er bewegte sich auf die leuchtende Stelle zu, legte seinen Rucksack ab, nahm die Taschenlampe in die Hand, hielt erst vorsichtig einen Finger in das wabernde Licht des Spiegels, und als bis auf ein leichtes Kribbeln nichts geschah, steckte er, wie er es ja schon einmal getan hatte, seinen Kopf hindurch. Er zog ihn mit einem lauten Aufschrei jedoch sofort wieder zurück.
„Was ist?“, fragte Carolyn nun äußerst beunruhigt.
„Das ist nicht das, was ich vorhin gesehen habe. Komm, schau du doch einmal hindurch, und dann sag mir, was du siehst.“
„Nein“, jammerte Carolyn, „ich habe Angst, lass uns lieber nicht alleine gehen. Was hast du denn überhaupt dort gesehen?“
„Ich sah eine Stadt, wie ich noch nie eine in meinem Leben kennengelernt habe, mit hohen Türmen, Flugwagen, die sich zwischen den Türmen hin und her bewegten, einem großen See am Rande der Stadt und so etwas ähnlichem wie einen Park voll seltsamer Bäume, Pflanzen und Tiere.“
Carolyn begann zu schluchzen. „Ich habe schreckliche Angst, lass uns lieber damit aufhören, du!“
Ein seltsam schmatzendes Geräusch unterbrach Tom, der seiner Schwester gerade eine Antwort geben wollte. Das Licht verdunkelte sich und eine große Gestalt stand plötzlich vor ihnen. Aus der Brusttasche der Jacke dieser Gestalt schaute ein kleiner Kopf mit großen runden Augen hervor, der mit piepsiger Stimme sprach:
„Ich glaube, sie haben uns und unseren Weg in die Welten des Spiegels entdeckt!“
„Onkel Hans!“, stöhnte Carolyn auf. „Wie kommst du denn hierher?“
Hans, ein Bruder ihrer Mutter und zugleich ein wenig auch das schwarze Schaf der Familie, nahm sie beruhigend in den Arm, strich ihr über den unbändigen Haarschopf und antwortete leise:
„Das ist eine lange Geschichte, Carolyn, ich glaube, es ist an der Zeit, euch einiges davon zu erzählen. Lasst uns also nach unten gehen. Ihr schildert mir, wie ihr den Spiegel gefunden habt, und ich werde euch dazu einige Erklärungen liefern. Und sagt doch bitte einfach ‚Hans‘ zu mir, das ‚Onkel‘ könnt ihr getrost weglassen.“

Absturz und Flucht


Marc vertiefte sich gelassen - um sie herum war es vollkommen ruhig - in die Steuerung unmittelbar vor ihm. Einige der zahlreichen Beschriftungen konnte er entziffern, andere versuchte er, so gut es ging, wenigstens zu ergründen und dabei die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Instrumenten festzustellen.
„Okay“, sagte er, „dieser Hebel hier reguliert wohl die Höhe dieses Flugkörpers; das da scheint etwas mit der Steuerung nach oben und unten zu tun zu haben, und dieser Drehschalter reguliert offensichtlich die Geschwindigkeit. Ich versuche es nun einfach einmal.“
Er drehte ganz langsam an dem Hebel und eine Anzeige veränderte sich zu einer Instrumentenposition hin, die er glaubte, als Null zu erkennen.
„Jetzt versuche ich, noch ein bisschen tiefer zu gehen.“
Er bewegte wieder einen der Hebel. Auf einer großen Glasplatte, die plötzlich durchsichtig wurde, konnte er jetzt nach draußen schauen: In weiter Ferne tauchte gerade so etwas wie ein Horizont auf. Langsam bewegte Marc den Hebel weiter und der Horizont kam näher.
„Musst du nicht auch die Geschwindigkeit etwas drosseln, wenn du landen willst?“, fragte June.
„Ja“, erwiderte Marc, „das werde ich jetzt als nächstes versuchen. Wenn ich diesen Hebel dort betätige, ergibt das ja unter Umständen eine Richtungsänderung.“
Er versuchte es und langsam wanderte der Horizont tatsächlich nach links.
„Und nun zur anderen Seite, das scheint ja glücklicherweise sehr einfach zu sein. Nun versuchen wir zu landen.“
Konzentriert bewegte er die Hebel und Drehschalter, als June plötzlich ausrief: „Hier waren wir doch schon einmal! Das ist die Burg dieser beiden komischen Vögel. Versuche doch einfach, da zu landen, wir können dort vielleicht unterschlüpfen.“
Marc erhöhte noch etwas die Geschwindigkeit und rasch kam der Boden näher. Dann nahm er die Geschwindigkeit wieder zurück, denn der mögliche Landeplatz war inzwischen deutlich zu erkennen.
„Ich muss dieses komische Gefährt jetzt sofort zu Boden bringen, koste es, was es wolle“, und er betätigte entschlossen den Hebel, den er zuvor als Bremse identifiziert hatte.
Plötzlich war ein lautes Poltern an der Außenseite des Fluggerätes zu hören, die Maschine drehte sich beinahe um sich selbst, sackte ab und schlug mit einem lauten Klatschen auf sumpfigem Erdboden auf.
„Schnell raus hier“, schrie Marc, „bevor uns die Besitzer dieses Fliegers erwischen.“
Gemeinsam stürmten sie hinaus aus der Zentrale, durch einen gewundenen Gang hindurch und eine soeben aufgesprungene Luke, die sie direkt nach draußen führte. Aus einer Höhe von etwa zwei Metern sprangen sie in das feuchte Gelände hinab und rannten gemeinsam auf das Gebäude zu, das sich in geringer Entfernung vor ihnen auftürmte.
Sie erreichten gerade das Tor, als sich hinter ihnen - aus dieser Entfernung nahmen sie das Flugzeug als eine nahezu kartoffelähnliche Kugel wahr - einige Luken öffneten und eine bis an die Zähne bewaffnete Horde von fürchterlich aussehenden Gestalten sich an ihre Verfolgung machte. Marc und June erreichten schweratmend und wirklich in letzter Sekunde das Tor, das sich wie von Geisterhand bewegt vor ihnen öffnete, und sich, als sie hindurch gestürmt waren, wie von Geisterhand wieder schloss.
Sie waren gerettet!


Kapitel 4
Erklärung


Ein Familiengeheimnis wird gelüftet


Leise stiegen die drei - wenn man das seltsame Geschöpf, das aus der Brusttasche ihres Onkels hervor lugte, dazu zählte, waren sie ja sogar vier - die steile, hölzerne Treppe hinunter. Im großen Wohnzimmer mit den schwarzen Eichenmöbeln und dem Kamin, in dem noch einige Holzscheite vor sich hin glosten, fanden sie alle ein Plätzchen.
Die Kinder warteten gespannt, was der Verwandte ihnen jetzt wohl berichten würde. Der stand aber erst einmal auf und legte zwei große Scheite Buchenholz in die fast verloschene Glut, nahm den Blasebalg und fachte das Feuer wieder an. Als die Flammen zu züngeln und die Schatten geheimnisvoll an den Wänden zu tanzen begannen, setzte er sich in den alten Lehnstuhl, der wohl noch von der Ururgroßmutter herstammen mochte, und wollte zu erzählen beginnen, aber da konnte Carolyn es vor lauter Spannung schon nicht mehr länger aushalten und rief:
„Wer oder was ist denn das da in deiner Tasche?“
Hans begann zu schmunzeln und entgegnete: „Ja, ob du es glaubst oder nicht, Carolyn, der da in meiner Tasche, das ist mein Ausweis!“
Da hatte er aber etwas gesagt! Die großen Augen ärgerlich aufgerissen und mit den kleinen vierfingrigen Händen wild herumfuchtelnd, piepste das kleine Wesen los:
„Sag, was bildest du dir überhaupt ein?  Ich, ein Ausweis? Du würdest doch ohne mich überhaupt nicht zurechtkommen! Überhaupt, ich bin kein Ausweis, ich bin ein Begleiter und heiße Lanudas. Ich komme … Ach was, lass doch diesen Riesen hier erzählen, er weiß doch sowieso immer alles besser.“
Lanudas verstummte und zog sich beleidigt so weit in die Brusttasche der Jacke zurück, dass nur noch die Spitze seines Hutes daraus hervor sah.
Also räusperte sich Onkel Hans etwas umständlich und begann: „Eigentlich wollte ich ja nur das Buch holen, das ich dummerweise bei meinem letzten Durchgang liegengelassen hatte …“
Wie auf Kommando sprang Carolyn auf, lief zu ihrem Rucksack, öffnete ihn und nahm das Buch heraus, das eigenartigerweise plötzlich auf dem Dachboden vor ihren Füßen gelegen hatte.
„Vielleicht dieses hier?“, rief sie.
Onkel Hans nahm das Buch, öffnete es, murmelte so etwas wie „Falsche Seite, falsche Zeit“, klappte das Buch energisch wieder zu und begann weiterzusprechen.
„Ihr könnt vieles vom Vergangenen ja nicht wissen und deshalb möchte ich euch jetzt etwas über das Buch und eure Vorfahren mütterlicherseits erzählen.
Ihr erinnert euch bestimmt nicht mehr, ihr wart noch sehr klein damals, als ich während eures ersten gemeinsamen Urlaubs mit den Eltern das Haus für sie hütete. Ich nahm während dieser Zeit aus Langeweile einige kleinere Reparaturen vor und versuchte auch, auf dem Dachboden etwas Ordnung zu schaffen. Dabei öffnete ich einen der alten schwarzen Eichenschränke, und es war, als spränge mir das Buch plötzlich von selbst in die Hand. Dabei öffnete es sich und Lanudas fiel mir direkt vor die Füße. Ich erschrak, denn noch nie zuvor hatte ich solch ein kleines Wesen gesehen. Mein Erstaunen war dementsprechend groß.
Nun war es vorbei mit dem Aufräumen, denn Lanudas hatte mir aus Dankbarkeit, weil ich ihn aus dem Buch befreit hatte, eine Menge zu berichten. Und so erfuhr ich, dass seit Urzeiten die Frauen in unserer Familie Reisende zwischen den Welten waren und dies auch heute noch sind. Das erklärt auch“, richtete der Bruder ihrer Mutter das Wort jetzt an Carolyn, „dass das Buch plötzlich ausgerechnet vor dir auf dem Boden lag. Du wirst wahrscheinlich ebenfalls eine Reisende sein, so wie deine Mutter, die sich allerdings bisher nur einmal auf ein solches Abenteuer eingelassen hat. Da das Buch dich auserwählte, wirst du wohl ihre Nachfolgerin werden.“
„Und was ist mit mir?“, fragte Tom. „Wieso habe ich im Spiegel, als ich hindurchsah, so viele seltsame Dinge wahrgenommen, erst so etwas wie das Mittelalter und dann eine hypermoderne Stadt. Wenn du nicht gekommen wärst, in welchem Land und in welcher Zeit wären wir wohl gelandet und wo hätten wir Hilfe erwarten können, wenn wir uns auf den Weg gemacht hätten? Es sind doch unterschiedliche Länder, und eigentlich müssten es auch unterschiedliche Zeiten sein, oder etwa nicht?“
„Ja, das mit den Zeiten ist richtig“, erwiderte ihr Onkel mit einem Lächeln. „Aber das Buch ist das Wichtigste von allem. Es gibt in diesem Buch viele Hinweise auf Frauen, aber nur wenige Hinweise auf Männer. Ich fand dort beispielsweise meinen Namen in Runenschrift vermerkt und ich denke, auch ein Tom und eine Carolyn sollten dort zu finden sein. Die Männer, deren Namen im Buch aufscheinen, können die fremden Welten ebenfalls sehen, so wie du es vorhin durch den Spiegel vermochtest.“
„Und was hat Lanudas damit zu tun?“, wollte Carolyn wissen.
„Er präsentierte mir den Spiegel, den deine Mutter wohlweislich mit einem großen schwarzen Tuch verhüllt hatte, und zeigte mir, wie dieser Übergang in eine andere Welt und in eine andere Zeit genutzt werden kann.“
Das Feuer im Kamin war längst heruntergebrannt, als Onkel Hans noch hinzufügte: „Aber genug für heute, morgen ist auch noch ein Tag. Wir gehen jetzt alle schlafen.“
Wie zu sich selbst murmelte er: „Morgen ist sowieso die bessere Zeit, heute wäre es zu gefährlich gewesen.“
Die Kinder protestierten natürlich heftig, aber Hans ließ sich nicht erweichen.
„Und wo schläfst du?“, fragte Carolyn.
„Ich gehe wieder auf den Dachboden“, antwortete ihr der Onkel.
Die Kinder standen auf, um in ihre Zimmer zu gehen; Hans verschwand, wie angekündigt, die Bodentreppe hinauf.
Als es im Haus endlich still geworden war, konnte Tom es nicht mehr länger aushalten. Er schlich, die Taschenlampe in der Hand, hinter seinem Onkel her auf den Dachboden, öffnete die alte Tür und schaute sich um. Alles war finster, nur das Licht der Taschenlampe stach wie ein heller Finger durch die Dunkelheit. Hans war verschwunden. Auch das Licht des Spiegels war erloschen.
Tom wurde es jetzt doch etwas unheimlich zumute dort oben, und auf Zehenspitzen, sich krampfhaft am Geländer festhaltend, kletterte er vorsichtig wieder hinab.
Schon bald, nachdem Tom seiner Schwester Carolyn über das, was jetzt passiert war, berichtet hatte, suchten die Kinder ihre Zimmer auf, um nach diesem aufregenden Tag noch ein wenig Ruhe zu finden.


Erschienen am 4. September 2013 im Salonlöweverlag in Mainz. Demnächst auch als EBook.

(c) Rolf Glöckner