Sonntag, 26. Januar 2014

Spiegelwelt Der Kristallkrieg Leseprobe Kapitel 40



Spiegelwelten Der Kristallkrieg


Kapitel 40
Spinnennetz

Noch wirkten die Ereignisse des Angriffs auf das rote Monster nach. Alle, die dies miterleben mussten, versanken in tiefer Trauer. So viele tapfere Frauen und Männer hatten für die Rettung der Heimatwelt ihr Leben lassen müssen.

   Ralph und der Wissenschaftler aus Berlin waren bereits wieder in Florida eingetroffen, als sich beunruhigende Meldungen aus allen Teilen der Welt häuften. Überall an den roten Kristallbergen durchstießen, sternförmig angeordnet, Ausläufer aus dem geheimnisvollen roten Mineral die Wasseroberflächen und begannen zu wachsen. Solange sie sich im Meer befanden, ging das Wachstum relativ schnell voran, und erst einmal ging davon keine besondere Gefahr aus. Dort aber, wo die roten Speere auf Land stießen und eine erste menschliche Siedlung erreichten, richteten sie heillose Zerstörungen an. Alles, aber auch alles wie Berge, Wälder, Häuser und Brücken wurde ganz einfach durchstoßen. Erste Opfer waren zu beklagen. In London wurden  der Tower und viele andere Gebäude zerstört und dann erreichte einer dieser roten Pfeile den Atlantik mit Kurs auf New York.

    Überall auf der Welt heulten die Alarmsirenen. Vom zentralen Beobachtungszentrum in Florida ausgehend, wurde ein Verteidigungsversuch koordiniert. Weltweit stiegen mit Raketen munitionierte Kampfflugzeuge auf und griffen die spinnennetzartigen roten Kristallbahnen an. Mit allem, was der Erdbevölkerung zur Verfügung stand, wurde gemeinsam gegen die Bedrohung vorgegangen. Ein weltweiter Krieg war entbrannt und die Zwistigkeiten zwischen den einzelnen Staaten waren plötzlich gegenstandslos geworden. Die verschiedensten Länder, unabhängig von ihren politischen Ausrichtungen, arbeiteten plötzlich Hand in Hand, denn es ging um ihre Welt. Es ging vielleicht
auch um das nackte Überleben. Es musste unter allen Umständen verhindert werden, dass sich das Spinnennetz schloss.

   Die ersten Raketen wurden abgefeuert und automatisch auf ihre Ziele gelenkt. Explosionen ereigneten sich überall dort, wo sich die roten Kristallberge befanden und ihre Ausläufer auf den Weg geschickt hatten. Trümmer aus rotem Material regneten zur Erde oder auch ins Wasser, die Kristallfäden wurden stellenweise in kleinste Fragmente zerrissen und vergingen, als sie auf den Boden des Festlandes auftrafen, in ein graues Pulver, einer Vulkanasche nicht unähnlich. Der Angriff der Kristallmonster geriet ins Stocken. Nach geraumer Zeit, denn die roten Giganten hatten, wie die verschiedensten Messungen ergaben, erheblich an Masse verloren. Das Wachstum der Fäden stand unerwartet still. Die Angriffe jedoch gingen weiter. Aus Florida war angeordnet worden, so viele rote Bahnen wie möglich zu zerstören, und so lange noch etwas Munition in den Jägern und Bombern vorhanden war, wurde gefeuert.  Plötzlich herrschte Ruhe. Erste Aufklärungsflugzeuge gingen in die Luft, um den Schaden, der am Gegner angerichtet worden war, zu katalogisieren und so schnell als möglich nach Florida zu übermitteln. Dort herrschte Hektik. Um Ralph hatten sich sowohl Militärs als auch Wissenschaftler versammelt und schrien die absurdesten Theorien heraus.

   Ralph bat um Ruhe, und als das nicht fruchtete, fragte er den General: „Haben Sie eine Pistole? Dann geben Sie sie mir!“ Er nahm die Pistole in die Hand, richtete sie gegen die Decke und drückte ab. Totenstille kehrte ein. Nun war der Astrophysiker in der Lage, etwas zu der jetzigen Situation auszuführen. „Meine Damen und Herren, ich glaube nicht, dass wir einen Sieg errungen haben, das war nur das erste Gefecht, das allerdings zu unseren Gunsten ausging. Es bedeutet aber nur einen Zeitgewinn, denn wenn Sie zurückschauen, wie schnell die Kristallgebilde gewachsen sind, dann können Sie davon ausgehen, dass wir etwa eine Woche bis vierzehn Tage Zeit haben werden, bevor, und da bin ich sicher, der nächste Angriff unseres Gegners erfolgen wird. Der Krieg hat gerade erst begonnen. Lassen Sie uns überlegen, wie wir der Bedrohung Herr werden können, denn sollte es zu einem gleichen Angriff kommen, werden wir irgendwann unser Pulver verschossen haben.“ Er schwieg und ließ seine Worte wirken.

   Er wandte sich an den Oberkommandierenden der amerikanischen Streitkräfte, der inzwischen in Florida eingetroffen war und stellte ihm eine Frage: „Herr General, könnten wir nicht ihr Raketenabwehrsystem einsetzen, das Sie allen Widerständen zum Trotz in der Erdumlaufbahn installiert haben und nicht benutzen, um dieser roten Plage Herr zu werden?“ Der General fuhr auf! „Sie verletzten soeben ein Staatsgeheimnis, Mister Bell!“ „Jetzt ist es aber keines mehr“, entgegnete Ralph und einige russische und chinesische Offiziere horchten auf. Hatten es die Amerikaner unter strikter Geheimhaltung doch geschafft, ein solches System ins All zu bringen? Der General begann zu stottern, aber Ralph unterbrach ihn: „Ich muss es ja wissen, habe ich doch an der Entwicklung mitgearbeitet!“

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